Trump an Europa: Ihr seid Vasallen und interessiert mich nicht

Donald Trump. Bild: Wikimedia / Michael Vadon CC BY-SA 4.0

„Europa ist mir egal“, erklärte US-Präsident Donald Trump diese Woche bei der ersten Sitzung seines Kabinetts im Weißen Haus im neuen Jahr.

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Der amerikanische Präsident hat damit wahrscheinlich mehr über die wahre Natur der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Europa verraten, als er beabsichtigt hatte.

Trump sprach im Zusammenhang mit der militärischen Beteiligung der USA an Europa sowie mit Handels- und anderen Fragen. Er wiederholte das langweilige Mantra, dass die USA angeblich von europäischen Verbündeten „ausgenutzt“ werden, indem diese nicht mehr für ihre Militärhaushalte ausgeben.

Es war der übliche weitläufige, kaum artikulierte Trugschluss Trumps, der die dem amerikanischen Konzernkapitalismus innewohnende militärische Verschwendung nicht als destruktives Laster, sondern als vermeintlich tugendhafte Angelegenheit des „Schutzes“ Verbündeter und des Rests der Welt darstellt. Kurz gesagt, wahnhafter amerikanischer Exzeptionalismus.

Aber es war Trumps blanke Verachtung gegenüber den europäischen Verbündeten, die bemerkenswert war. Auf eine Frage über seine berichtete Unpopularität in Europa witzelte der Präsident, dass es ihm egal sei, was die Europäer denken. Wenige Sekunden später machte Trump in einem Schwenk seines unverhüllt egoistischen Gemütszustands eine Wendung und behauptete, dass er beliebt wäre, wenn er bei einer Wahl in Europa kandidieren würde!

Ironischerweise sollten wir Trump aber vielleicht dankbar sein für seine freimütige Offenheit. Indem er Europa mit solch verächtlicher Missachtung abtut, enthüllt er das wahre Gesicht der Beziehungen Washingtons zum alten Kontinent.

Ehemalige amerikanische Präsidenten waren geschickt darin, die transatlantische Verbindung als vermeintliche „strategische Partnerschaft“ darzustellen – wie das von den Vereinigten Staaten von Amerika geführte NATO-Militärbündnis am deutlichsten zeigt. Trumps ehemaliger Verteidigungsminister James Mattis, der aus Protest gegen dessen Politik zurücktrat, war dieser konventionellen transatlantischen Form zugetan. Mattis sprach wiederholt über die Bedeutung der Aufrechterhaltung starker Bindungen zu Verbündeten.

Jahrzehntelange transatlantische Rhetorik hat oft dazu beigetragen, die tatsächlichen Beziehungen zwischen Washington und Europa zu verschleiern. Die Realität ist, dass die Europäer keine Partner sind. Sie sind Vasallen.

Aufeinanderfolgende europäische Regierungen und die Europäische Union haben immer wieder erlaubt, dass ihre Länder als Stützpunkte für amerikanische Streitkräfte dienen, auch in der Vergangenheit, als Atomwaffen auf Russland gerichtet waren. Diese Raketen können auf europäischen Boden zurückkehren, wenn die USA vom Vertrag über nukleare Mittelstreckenwaffen aussteigen, wie sie es unter Trump zu tun drohen.

Die unterwürfigen europäischen Regierungen haben auch den amerikanischen Militarismus pflichtbewusst unterstützt, indem sie den imperialistischen Kriegen Washingtons eine multilaterale, pseudorechtliche Deckung gaben. Beispielsweise schickten europäische Staaten Truppen, um die US-Kriege in Afghanistan und im Irak zu verstärken und so kriminellen völkermörderischen Unternehmungen eine gewisse Legitimität zu verleihen.

Ironischerweise hat Trump in seinen Bemerkungen in dieser Woche in seinem Kabinett europäische Länder verspottet, weil sie „nur 100 Soldaten“ nach Afghanistan und Irak geschickt haben. Er erwähnte auch Syrien und veranschaulichte damit, wie überaus arrogant die kriminelle Einstellung der Vereinigten Staaten von Amerika ist.

So beschimpft Trump die Europäer, weil sie nicht mehr ihrer wirtschaftlichen Ressourcen dafür aufgewendet haben, um der amerikanischen pathologischen Abhängigkeit vom Militarismus gerecht zu werden; weil sie nicht mehr für die militärische Besetzung der europäischen Länder durch die USA bezahlt haben; und weil sie nicht mehr Truppen entsandt haben, um sich den kriminellen Aggressionen der USA im Ausland anzuschließen.

Frühere amerikanische Präsidenten waren etwas vorsichtiger, wenn es darum ging, Washingtons tyrannische Beziehungen zu Europa zu verschleiern. Aber Trump ist in seiner Sichtweise zu egozentrisch und rüpelhaft transaktional. Der ganze maßlose Anspruch der amerikanischen Ritterlichkeit und des Schutzes wird zerschreddert, wenn auch unwissentlich.

Trump sagte Europa diese Woche, dass er sich keinen Deut um den Kontinent und die angeblichen US-Verbündeten schert. Angesichts einer derartigen Verachtung müssen die europäischen Nationen sich der Realität bewusst werden, ihre eigene Unabhängigkeit von Washington festzulegen und insbesondere eine echte kontinentale Partnerschaft mit Russland verfolgen zu müssen.

Die Arroganz Washingtons wird von der Trump-Regierung vielleicht am deutlichsten zum Ausdruck gebracht, die den europäischen Staaten mit Sanktionen droht, wenn sie den Bau der Gaspipeline North Stream 2 aus Russland fortsetzen. Russland ist ein natürlicher strategischer Partner für Europa, insbesondere in Bezug auf die wirtschaftliche Versorgung mit Erdgas und Erdöl.

Das Thema Angebot und Nachfrage von Energie versinnbildlicht noch viel mehr das Verhältnis zwischen Europa und Russland und den USA. Letztere sind so etwas wie ein Schwindler und drängen anderen ihre egoistischen Interessen auf, sei es im Energiehandel oder in militärischen Angelegenheiten. Wir haben das auch in Bezug auf Trump gesehen, der das iranische Atomabkommen zerrissen hat und Europa für die Einhaltung dieses internationalen Vertrags bestraft.

Trump hätte die Realität der amerikanischen Missachtung europäischer Interessen nicht unverhohlener ausdrücken können. Die sind für ihn keinen Pfifferling wert.

Ende letzten Jahres hat die Europäische Union beschlossen, die Wirtschaftssanktionen gegen Russland um weitere sechs Monate zu verlängern. Diese Sanktionen basieren weitgehend auf antirussischen ideologischen Behauptungen Washingtons und seiner NATO-Partner über eine Vielzahl von manipulierten Themen, darunter der Konflikt in der Ukraine und die absurde Fantasie, dass Russland sich in die Wahlen einmischt. Auch hier zeigt sich die Vasallenposition Europas dadurch, dass es die europäischen Volkswirtschaften und nicht die amerikanische Wirtschaft sind, die sich durch die Sanktionen gegen Russland selbstzerstörerischen Schaden zugefügt haben.

Europäische Regierungen müssen etwas von Trumps „America First“-Politik übernehmen und die Interessen ihrer Bürger in den Vordergrund stellen. Europa muss den Antagonismus und Militarismus Washingtons gegenüber Russland zurückweisen. Viele der amtierenden europäischen Regierungen scheinen nicht in der Lage zu sein, den notwendigen politischen Willen zu finden, von Washington unabhängig zu sein. Das ist zum Teil der Grund für einen so phänomenalen Anstieg der Unzufriedenheit in der Bevölkerung mit der Europäischen Union und den etablierten Politikern. Die Machthaber sind nicht ansprechbar und nicht repräsentativ für die Interessen und Bedürfnisse der Bevölkerung, was zu weiteren Rückschlägen gegenüber den Institutionen des Establishments führt.

Europa muss aufhören, ein Lakai Washingtons zu sein. Nach Trumps eklatant zum Ausdruck gebrachter Verachtung in dieser Woche gibt es für Europa keine Entschuldigung oder Rechtfertigung, sich weiterhin als amerikanischer Vasall selbst zu entwerten.

Original Artikel hier: Contra Magazin

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